15.07.2026
Schüler gestalteten eindrucksvolle Ausstellung zu Studienfahrt in ehemaliges KZ Auschwitz-Birkenau
Während die Schülerinnen und Schüler der Michaelschule in Trägerschaft der Evangelischen Stiftung Michaelshof bereits ihre Sommerferien genießen und den Schulalltag einmal hinter sich lassen, dürfte bei einigen von ihnen jedoch noch die Studienfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in den Köpfen geblieben sein. Fünf Tage lang – einen Tagesausflug nach Krakau einberechnet – verbrachten die Jugendlichen der zwei gymnasialen 10. Klassen, sowie einige Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse in Oświęcim. Ihre Eindrücke haben sie in einer eindrucksvollen Ausstellung festgehalten, welche zum Schuljahresende in den Klassenräumen einer 9. Klasse und der beiden gymnasialen 10. Klassen im Haus C der Michaelschule besucht werden konnte. „Unser Ansatz war es, dass sie bereits während des Besuchs der Gedenkstätte an mindestens einer Sache gedanklich hängen bleiben sollten, an irgendetwas Besonderem, was in ihnen gearbeitet hat und sie ein geeignetes ästhetisches Format wählen, um in eine Auseinandersetzung mit dem Erlebten zu gehen“, sagt Kay Herrmann, der als Lehrer für Geschichte die Nachbereitung der Studienfahrt und die Ausstellungskonzeption betreut hat.
Gäste begeben sich fiktiv in die Rolle eines Häftlings
So entstanden im Anschluss an die Studienfahrt in der Projektwoche vor den Sommerferien als Nachbereitung mehrere Exponate für die Ausstellung – darunter ein Nachbau des Torhauses des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, Filme, Biografien und Briefe ehemaliger Häftlinge, verschiedene Kunstwerke oder ein fiktives Tagebuch , welches auf einer real existierenden Person basiert. Ganz besonders eindrucksvoll war die Konzeption der Ausstellung: Die Jugendlichen nahmen ihre Besucherinnen und Besucher fiktiv aus der Sicht eines Häftlings mit in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. So wurde es dem ein oder anderen bereits am Eingang mulmig zumute, als er unter dem Wimpel „Arbeit macht frei“ hindurchging. Eben dieser hängt auch heute noch am Tor der Gedenkstätte. Eine von den Schülerinnen und Schülern verfasste Erklärung hierzu fand sich neben dem Eingang zur Ausstellung wieder. Dort hindurchgegangen begaben sich Gäste in anderen Räumen unter anderem in eine nachgebaute, verdunkelte Stehzelle oder standen symbolisch in einem Waggon – in dem zwischen 1940 und 1945 regelmäßig Menschen nach Auschwitz deportiert wurden. Wie eine Art bitteres Fazit der Erfahrungen las sich der auf einem Wimpel stehende Satz, der beim Verlassen der Ausstellung ins Auge fiel: „Tod macht frei“. Dieser sei durch einen ehemaligen Insassen des Konzentrationslagers geprägt worden, erklärte einer der Schüler. Denn aus dem schrecklichen Martyrium des Konzentrationslagers befreien, konnte sich nur, wer starb, habe der Insasse niedergeschrieben.
Besondere Geschichte des Michaelshofes soll weitergegeben werden
Doch nicht nur mit dem, was war, setzten sich die Jugendlichen auseinander, sondern auch mit der Frage: Wie würde die Michaelschule heute aussehen, wenn die Nationalsozialisten an der Macht geblieben wären? Nicht nur gäbe es keine Förderschule, auch wären die Klassen wesentlich kleiner, so Kay Herrmann. Denn auch Kinder mit Suchterkrankungen, mit psychischen und neurologischen Erkrankungen , mit Beeinträchtigungen, mit Migrationshintergrund oder einer nicht ins Bild der Nationalsozialisten passenden sexuellen Orientierung wären dann nicht Teil der Klasse. „Das merkt man, das macht was mit den Kindern“, sagt Herrmann. Er legt als Religions- und Geschichtslehrer besonderen Wert darauf, das Thema Euthanasie im Nationalsozialismus im Unterricht der gymnasialen 10. Klassen zu behandeln. „Weil ich das besonders wichtig finde, wenn man diese Schule besucht“, so Herrmann. Auch in der Ausstellung sollten die Themen Vernichtung im Nationalsozialismus und das Erbe des Michaelshofes für die Gegenwart der Jugendlichen greifbar werden. Denn zwar gab es die Michaelschule in den 1940er-Jahren noch lange nicht, den Michaelshof, auf dem damals auch schon Menschen mit Behinderungen lebten, dagegen schon – „und damit auch die Kinder, die in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg in Schwerin deportiert worden sind“, so Herrmann. „Die besondere Geschichte des Michaelshofes, muss an die Kinder weitergegeben werden“, sagt er.
Die inklusive Michaelschule befindet sich in Trägerschaft der Evangelischen Stiftung Michaelshof, einer Einrichtung der Diakonie. Sie vereint mehrere Schularten unter einem Dach: die Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, die Grundschule sowie eine integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.
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